Die links in rot verweisen auf die Homepage des Künstlers, auf der deutsche Texte zu einzelnen Stücken des Komponisten im Detail abrufbar sind. Bitte schließen sie das sich öffnende Fenster wieder, um auf diese Übersicht zurück zu gelangen.


berge. träume. 
der handschuh des immanuel. 
die englischen hände. 
Die drei Felder im Schnee und die scharlachrote Sonne 
Die Ewigkeit ist eine Badehütte mit moosbewachsenem Schindeldach für Orgel und Ensemble 
die fenster des universums 
die goldenen tiere 
die heilige clara und der schwarze fisch 
Die illusionären Planeten im Nervensystem der Barbe für sieben tiefe Männerstimmen 
Die Mutter Gottes mit den drei Händen für 48 Sopranblockflöten 
die wimpern des himbeerfarbenen mondes / marienau 
königin ök 
nach den sternen. salz. 
the forest of frost 
the queen. the cowboy.

 

Weitere Texte des Komponisten

der duft des öls. warum.
1
Die griechische Mythologie weiß, daß einst in grauer Vorzeit die Menschen ohne Musik lebten bis sie ihnen eines Tages von den Musen gebracht wurde. Daraufhin wurden einige der Menschen so erfüllt vom Singen, daß sie vergaßen zu essen, zu trinken und auch des Nahens des Todes nicht gewahr wurden. Aus diesen Menschen entstand die Gattung der Zikaden, die als Geschenk der Musen die Eigenschaft erhielten, daß sie, um zu leben weder der Nahrung noch des Getränks bedurften, sondern nur unablässig zu singen brauchten.
2
Ein Gourmet kommt in ein kleines Gasthaus in der Einschicht und bekommt köstlichen Käse serviert. Neugierig fragt er die alte Wirtin und Bäurin wie der so wohlschmeckende Käse wohl heiße. Die Antwort der Bäurin ist kurz und klar: "Käse.".
*
Sollte man die Wirtin nun fragen: "Warum machen Sie Käse, warum machen Sie den Käse auf diese Art und Weise und wieso gibt es überhaupt Käse?"
*
Sie könnte antworten, mit 12 Jahren machte sie Käse weil die Mutter ihr es auftrug, mit 16 Jahren weil sie Eindruck machen und berühmt werden wollte, mit 24 Jahren weil sie ihr Kind ernähren mußte, mit 28........
Das "Warum?" ändert sich, die Antwort bleibt immer die gleiche: "Käse."
Sie könnte genausogut anderes machen, wurde aber vom Leben an bestimmte Gestade gespült. Und das ist eigentlich weder gut noch schlecht, denn es geht nicht um das "Was?", nicht um das "Warum?", nicht um das "Wo?", sondern um das "Wie?".
3
Da nahm Maria ein Pfund echtes, kostbares Nardenöl, salbte Jesus die Füße und trocknete sie mit ihrem Haar. Das Haus wurde vom Duft des Öls erfüllt.
(Johannes 12, 3)


Der Schatz des DD

Was unterscheidet das Geräusch des Regens von Musik?Nichts.Schaffen von Kunst ist wesentlich ein unbewußter Akt, ihre Wirkung ist nicht rational vorhersehbar und begründbar.Gesteinsformationen entstehen, sie sind für sich ohne wirken zu wollen.In beiden kann sich das Unaussprechliche zeigen.Der Komponist stellt Musik her, er spricht nicht durch Musik, er versucht nicht das Unaussprechliche darzustellen, denn es fassen zu wollen muß genauso vergebens sein, wie die Versuche der Panzerknacker, Dagobert Duck auszurauben. So, wie das Unaussprechliche im Regen enthalten ist, ohne daß der Regen es zeigen wollte, ist es vielleicht in Musik, die es nicht darstellen will.Komponieren vollzieht sich anders, als das Zusammenstellen einer Rezeptur für LSD. Es geht nicht um beschreibbare Wirkung, sondern um das "in der Musik sein". Musik führt nicht weg von sich selbst. Musik ist nur sie selbst, in dem Sinne, in welchem ein Berg ein Berg, eine Ebene eine Ebene, Mollusken Mollusken sind. Komponieren ist das Hinweisen auf den Klang in mir."Donald Duck: Trotz allem muß man die Panzerknacker bewundern, finde ich!Trick: So? Warum?Donald Duck: Na ja, um ihre Raubzüge machen zu können, mußten sie vorher all die verschiedenen Musikstile spielen lernen!Tick: Hahaha! Sag bloß, du hast es immer noch nicht kapiert!Track: Das war doch alles nur Playback!Trick: Die taten doch nur so! Die Musik kam vom Band!Dagobert Duck: Bis auf dieses entsetzliche Panzerknacker-Lied!Track: Genau! Das war ihr einziger Live-Auftritt.Die Panzerknacker: Harhar! Donald ist eben ein Schnellmerker!"(Walt Disney).

Zuhörer hören zu / Hirschhornknöpfe (lose aneinandergereihtes Räuspern über Musik)

0.

Es gibt in der Musikgeschichte keine Entwicklung im Sinne einer Verbesserung, es gibt nur Veränderungen.Alles Lebendige wächst, doch die Frucht ist nicht besser als die Blüte. Der richtige Ort für Akrobatik ist meiner Ansicht nach der Zirkus.

1.

Yün-men

Eines Tages zeigte der Zen-Meister Yün-men einer Versammlung von Mönchen seinen Stock und sprach:"Das gewöhnliche Volk hält ihn naiv für Wirklichkeit. Die beiden Fahrzeuge analysieren ihn und erklären ihn für nichtexistierend. DiePraetyekabuddha halten ihn für eine maya-artige Existenz. Die Boddhisattva nehmen ihn für das, was er ist, nämlich sie erklären ihn für leer. Wenn Zen-Jünger freilich einen Stock sehen, so nennen sie ihn einfach "Stock". Wenn sie gehen, dann gehen sie, wenn sie sitzen, dann sitzen sie."

Musik ist keine Form von Sprache, sie steht für sich selbst als ein Gegenstand ohne Zweck, Begründung und Bedeutung außerhalb seiner selbst. Musik bildet weder die Struktur des Kosmos ab, noch ist sie Sprache der Gefühle.Musikstücke sind zweckfrei geschaffene Objekte, keine Form von Repräsentation oder Kommunikation.Musik ist kein Mittel, um etwas zu erreichen, um irgendwohin zu kommen, sie ist nur sie selbst.

Es geht nicht um Zerstreuung durch Musik, auch nicht um Konzentation durch Musik, sondern um Konzentration auf Musik.Wenn wir Musik hören, hören wir Musik.Musik zu hören bedeutet Musik zu sein.

Die Ros' ist ohn' warum: sie blühet, weil sie blühet,

Sie acht nicht ihrer selbst, fragt nicht, ob man sie siehet.(Angelus Silesius)

3.

Giotto

[Papst Benedikt IX entsandte einen Höfling zu verschiedenen Malern, um von ihnen Proben ihres Könnens zu erhalten, auf Grund derer er Aufträge vergeben wollte.] Dort[in Florenz] trat er eines Morgens in die Werkstatt Giottos, welcher eben an der Arbeit saß, und eröffnete ihm den Willen des Papstes, sagte, in welcher Weise derselbe sich seiner Kunst bedienen wolle und bat endlich, ihm etwas zu zeichnen, was er seiner Heiligkeit schicken könne. Giotto, der sehr höflich war, nahm ein Blatt und einen Pinsel mit roter Farbe, legte den Arm fest in die Seite, damit er ihm als Zirkel diene, und zog, indem er nur die Hand bewegte, einen Kreis, so scharf und genau, daß es in Erstaunen setzen mußte, verbeugte sich gegen den Hofmann und sagte: "Da habt Ihr die Zeichnung." - Sehr erschreckt fragte dieser: "Soll ich keine andere als diese bekommen?" "Es ist genug und nur zuviel", antwortete Giotto, "schickt sie mit den übrigen hin, und ihr sollt sehen, ob sie erkannt wird."(Giorgio Vasari)

4.

Törleß

"In solch einer Rechnung sind am Anfang ganz solide Zahlen, die Meter oder Gewichte oder irgend etwas anderes Greifbares darstellen können und wenigstens wirkliche Zahlen sind. Am Ende der Rechnung stehen ebensolche. Aber diese beiden hängen miteinander durch etwas zusammen, das es gar nicht gibt. Ist das nicht wie eine Brücke, von der nur Anfangs- und Endpfeiler vorhanden sind und die man dennoch so sicher überschreitet, als ob sie ganz dastünde?[..]Das eigentlich Unheimliche ist mir aber die Kraft, die in solch einer Rechnung steckt und einen so festhält, daß man doch wieder richtig landet." (Robert Musil)

Ein Grundproblem jedes Komponisten ist die Frage ob, und wenn ja, auf welche Weise musikalische/kompositorische Entscheidungen begründet werden können.Anders gefragt, über welche Brücke schreitet man von den anfänglichen Klangvorstellungen zu den am Ende des Kompositionsprozesses fixierten/notierten Klängen.

Es gibt zwei grundsätzlich verschiedene Extrempositionen, einerseits den Weg der strengen Form, der Konstruktion(z.B. Ricercar) und andererseits den Weg der freien Form, der notierten Improvisation(z.B. Toccata).(recercare = suchen; toccare = berühren(Tasten, Saiten))

Das Entscheidungspotential des Komponisten bleibt in jedem Fall gleich groß, es wird nur verschieden verteilt. Im extremsten Fall einer Konstruktion trägt eine einzige Entscheidung die gesamte Entscheidungslast, die im anderen Extremfall auf eine Vielzahl von hunderten von Einzelentscheidungen aufgeteilt wird.

Letztlich können in ihrer Wirkung ganz ähnliche Stücke in ihrer Form absolut gegensätzlich sein, wohingegen mit ein und derselben Konstruktion unterschiedlichste Stücke entstehen können, sodaß ich eigentlich bei jedem neuen Stück die Entscheidung treffe, über welche Brücke ich gehen will, oder ob es nicht besser wäre zu fliegen.

5.

Oberfläche

Leise, mikrotonal, geräuschhaft, lang.

Mich interessiert die nicht wahrnehmbare Veränderung. Die Gleichzeitigkeit von Fließen und erstarrt sein.

c.

C. aß eine Ischlerschnitte und beobachtete während des Essens die rötliche Färbung der Zuckerglasur. Mit der Zeit wurde die zu betrachtende Fläche naturgemäß immer kleiner, die Vielfalt der Farbschattierungen dagegen immer größer.C. fragte sich, ob das Geheimnis der Ischlerschnittenzuckerglasur irgendwie mit der blau gefärbten Schafwolle zusammenhängen könnte. Auch das Weiß des Tellers versuchte C. in die Überlegungen miteinzubeziehen.